Alles rund um den Wechsel von künstlichen Gelenken am Ellenbogen

Ein Service der Ellenbogensprechstunde der Orthopädie des Klinikums Dortmund



Wechsel

Ellenbogenprothese



  • Der Austausch einer Ellenbogenprothese ist eine verhältnismässig aufwendige Operation. Weil Wechsel von Ellenbogenprothesen - im Vergleich z.B. zu Hüft- oder Knieprothesen - verhältnismässig selten durchgeführt werden, empfiehlt es sich das in entsprechenden Zentren durchführen zu lassen.
  • Gründe
    Meistens werden die künstlichen Ellenbogengelenke ausgetauscht, weil sie sich gelockert haben. Die Gründe können dafür das Erreichen der normalen Lebensdauer sein oder auch Lockerungen im Rahmen von Infektionen der Ellenbogenprothese.
    Hat ein Infekt die Lockerung herbeigeführt, wird das künstliche Gelenk manchmal zuerst ausgebaut und dann ein Platzhalter ( sog. Interimsprothese ) eingebaut und schätzungsweise 3 Monate später eine neues künstliches Ellenbogengelenk wieder eingebaut. In Einzelfällen kann man einen solchen Austausch bei einer Infektion auch einzeitig, d.h. während einer Operation, durchführen.
  • Typen
    Bei Wechseloperationen der Prothesen werden vorzugsweise Vollprothesen verwandt. D.h. es wird der Oberarmteil und auch der Ellen- und Speichenanteil ersetzt. meistens werden solche Prothesen dann gekoppelt, d.h. miteinander verbunden. Das hängt damit zusammen, daß der Kapselband- / Weichteilführungsapparat bei einer Lockerung meistens schon geschwächt ist.
    Und es werden bei Wechselimplantaten vorzugsweise Prothesen mit längeren Stielen eingebaut, weil ein entsprechender Knochenverlust infolge der Lockerung besteht.
  • Alternativen
    Man kann in extremen Fällen eine sog. „sine“ Situation herbeiführen. D.h., wenn die Betroffenen zu krank für eine komplette Wechseloperation sind, baut man die Prothese lediglich aus und belässt den Ellenbogen derart. Das kann auch der Fall sein, wenn nach mehreren Wechseloperationen keine weiteren Implantatmöglichkeiten mehr bestehen.
    Sind die Implantatmöglichkeiten, nach z.B. mehreren Austauscheingriffen, erschöpft, können weitere Alternativen ein kompletter Oberarmersatz sein oder das Anfertigen sog. custom made implants, also von Individualprothesen, welche anhand einer Computertomographie mit 3D Planung gefertigt werden.
  • OP-Technik
    Die OP Technik des Austausches eines künstlichen Ellenbogengelenkes ist sehr aufwändig und erfordert viel Erfahrung.

    In der Regel wird der Hautschnitt an der Rückseite des Ellenbogens angelegt. Der meistens schon bei der Erstoperation verlagerte Ulnarisnerv wird aufgesucht und identifiziert sowie ggf. beiseite verlagert. Danach wird der Streckapparat präpariert und die Kapsel mit dem inneren und äusseren Seitenband.
    Anschliessend wird die gelockerte Prothesen dargestellt und die Einzelteile werden, mehr oder weniger aufwändig und mühselig, ausgebaut.
    Nach einer Säuberung der Knochenlager wird eine Spülung vorgenommen und ein Platzhalter ( die Interimsprothese ) eingebaut.

    Wenn sich in den Wochen / Monaten nach einem solchen Eingriff die Entzündungswerte im Blut beruhigt haben und Keime nicht mehr nachgewiesen werden können, baut man die neue Ellenbogenprothese ein. Dazu geht wie oben beschrieben bis zur Knochendarstellung vor. meistens wird dann zunächst der Oberarmanteil als Langschaft eingebaut und anschliessend die Ellen- und Speichenanteile, welche danach mit dem Oberarmteil gekoppelt werden können.
    Anschliessend erfolgt der schichtweise Wundverschluss und meistens wird am Ende einer solchen Operation ein Gips oder eine Schiene angelegt.
  • Nachbehandlung
    Der Krankenhausaufenthalt dauert etwa 8 bis 12 Tage. Währenddessen werden Verbände gewechselt und die Wunde kontrolliert. Es wird eine Schmerztherapie durchgeführt und eine leichte Physiotherapie u.U. begonnen.

    Es wird ein Gips oder eine Schiene angelegt, welche meistens etwa 6 Wochen getragen wird. Dabei wird die Beweglichkeit in den Wochen nach der Operation schrittweise freigegeben.

    Wenn die Infektion die Ursache der Lockerung ist, muss oft ein Antibiotikum für mehrere Woche eingenommen werden und es werden die Entzündungswerte im Blut kontrolliert sowie ggf. Wochen nach der Operation nochmal eine Punktion des Ellenbogens- zur Untersuchung einer erfolgreichen Keimreduktion - durchgeführt.

    Dem schliesst sich dann der Wiedereinbau der Prothese, nach Infektberuhigung - ( s.o. ) an.
  • Arbeistunfähigkeit
    Im Mittel und allgemein betrachtet, erreicht man seine Arbeitsfähigkeit nach etwa 8 bis 12 Wochen.
  • Besonderheiten
    Wenn man mit einer Ellenbogenprothese lebt, gibt es verschiedene Dinge zu beachten:

    1. Dauerhaft sollten nicht mehr als 2 kg mit dem operierten Arm gehoben / getragen werden.

    2. Bei eitrigen Infektionen ( z.B. Zähne, Nasennebenhöhlen, etc. ) sollte frühzeitig für ca. 1 Woche ein Antibiotikum eingenommen werden damit die Bakterien nicht an das künstliche Ellenbogengelenk streuen und dort ein Lockerung verursachen.

    3. Wurf- und Schlagsportarten ( Tennis, Squash, Badminton, Handball uvm. ) dürfen mit einer Ellenbogenprothese nicht ausgeübt werden.
  • Auf einen Blick
    Wechsel Ellenbogenprothese:

    Krankenhausaufenthalt: ca. 1 bis 2 Woche

    OP Dauer: 2 bis 4 Stunden

    Nachbehandlung: Gips- / Armschiene für etwa 10 Tage und danach eine bewegliche Ellenbogenschiene bis etwa zur 6. Woche

    Arbeitsunfähigkeit: 10 - 14 Wochen

    Besonderheiten: nicht mehr als 2 kg heben, keine Wurf- und Schlagsportarten
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Autor und Ansprechpartner: Dr. med. R. Sistermann, Leitender Arzt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, Orthopädie, Klinikum Dortmund