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Ein Service der Ellenbogensprechstunde der Orthopädie des Klinikums Dortmund


Die Radiusköpfchenresektion



von: Dr. med. Roland Sistermann




1. Einleitung
Das Radiusköpfchen - oder auf Deutsch: Speichenköpfchen - ist der obere Anteil der Speiche. Die Speiche wiederum bildet zusammen mit der Elle den Unterarm. Diese Speiche hat an ihrem oberen, körpernahen, Ende ein Köpfchen, welches zusammen mit der äußeren Oberarmrolle den außenseitigen Gelenkspalt des Ellenbogens bildet ( sog. Radiohumeralgelenk ).
In bestimmten Fällen kann es, aus therapeutischen Gründen, notwendig sein, eben dieses obere Speichenende, also das Radiusköpfchen zu entfernen.

2. Biomechanik
Die Achse entlang des Radiusköpfchens trägt ca. 60-65 % der Last, die über den Ellenbogen abgeleitet wird. Sie ist damit gewissermaßen der hauptsächliche Lastenträger. Eben deshalb ist die operative Entfernung dieses Speichenköpfchens gut abzuwägen.

3. OP-Gründe
Es sind meistens vielfach erfolglos vorbehandelte Schmerzzustände am Ellenbogen, die Veranlassung zur Entfernung des Radiusköpfchens geben. Eine typische Situation ist ein schmerzhafter Verschleiß ( Arthrose ) im Ellenbogen.
Vereinzelt kommt eine solche Operation zu tragen, wenn eine Instabilität des Radiusköpfchens vorliegt, der Ellenbogen zerstörend von Rheuma befallen ist

Man verspricht sich von dieser Operation eine nachhaltige Schmerzbefreiung infolge der Druckentlastung und ggf. eine Verzögerung / Verhinderung des Übergreifens des außenseitigen Ellenbogenverschleißes nach innen ( auf das sog. Ulnohumeralgelenk ).

Trümmerbrüche des Speichenköpfchens ( sog. Mason 3 Frakturen ), welche eine Rekonstruktion dieses Knochens nicht mehr zulassen, können ebenso ( neben der Alternativen der Speichenköpfchenprothese ) zu einer Radiusköpfchenresektion veranlssung geben.
Oder: Wenn sich eine eingesetzte Speichenköpfchenprothese lockert oder infiziert, kann das ebenso ein grund für diese Operation sein.


4. Probleme
Der wesentliche Vorteil dieses Eingriffes besteht in einer nachhaltigen, oft länger anhaltenden, Schmerzbefreiung. Eine solche Entfernung kann oft kurz- und mittelfristig gut helfen. Er ist aber nicht immer eine Lösung auf Dauer. Von Nachteil und langfristig können erneut Probleme, wie eine Instabilität des Gelenkes oder eine Überlastung des innenseitigen Hautpgelenkspaltes auftreten. Auch kann sie das Fortschreiten der Arthrose nicht verhindern und langfristig dennoch eine künstliches Ellenbogengelenk notwendig werden.

5. OP-Technik
Offene Operationstechnik
Sie ist die Gebräuchlichste. Über einen außenseitigen Hautschnitt am Ellenbogen wird das Radiusköpfchen dargestellt und mittels entsprechendem Werkzeug entfernt.

Arthroskopische Operationstechnik
Dabei wird eine Gelenkspiegelung ( sog. Ellenbogenarthroskopie ) durchgeführt. Es werden mehrere kleine Hautschnitte angelegt und über diese sog "Portale" werden die kamera und das Werkzeug eingebracht. Mittels endoskopischer Fräsen und Messer - die mit einer Spülung und Sog versehen sind - wird der Knochen des Speichenköpfchens , gewissermaßen durch´s Schlüsselloch, abgetragen.
Im Vergleich zur offenen Operationstechnik ist das endoskopische Entfernen technisch anspruchsvoller und kann ggf. etwas länger dauern. Wiederum ist es schmerzärmer und erlaubt eine schnellere Nachbehandlung, Verwendung des Armes und Erlangen einer Arbeits- / Sportfähigkeit. Die Infektionsrate ist beim arthroskopischen Operieren niedriger.

6. Nachbehandlung
Anfänglich wird ein steriler Wundverband und u.U. eine Gipsschiene angelegt. Der Arm wird u.U. zum Abschwellen etwas hochgelagert werden. Manche Behandler wechseln nach einigen Tagen zu einer Schiene ( Orthese ). Oft wir die Bewegung des Armes - beschwerdeangepasst - für Alltagsbewegungen relativ schnell freigegeben, aber noch nicht für das Tragen und Heben von Lasten, welches erst nach einigen Wochen zugelassen wird.


Lesetips:
Arthroskopie Ellenbogen
Der Blick ins Ellenbogengelenk. Das muss man wissen ...

Radiusköpfchenfraktur
Alles rund um die Knochenbrüche des Speichenköpfchens ...


Wissenschaftliche Literatur
1. Bhatia, DN, Arthroscopic radial head implant removal and resection, Arthrosc Tech, 4;5(4):e705-e711, 2016
2. Lopiz Y, et al, Comminuted fractures of the radial head: resection or prosthesis ?, Injury, 47, Suppl 3:S29-S34, 2016 doi: 10.1016/S0020-1383(16)30603-9.
3. Menth-Chiari WA, et al, Arthroscopic resection of the radial head, Arthroscopy, 15(2):226-230, 1999
4. Iftimie PP, et al, Resection arthroplasty for radial head fractures: long-term follow-up, J Shoulder Elbow Surg, 20(1):45-50, 2011 doi: 10.1016/j.jse.2010.09.005.