Wichtige Informationen zur Ellenbogensteife - was man wissen muss

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Ein Service der Ellenbogensprechstunde der Orthopädie des Klinikums Dortmund


Die Ellenbogensteife


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Dr. med. Roland Sistermann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
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1. Definition:
Unter einer Ellenbogensteife versteht man die Einschränkung der Beweglichkeit eines Ellenbogengelenkes infolge unterschiedlichster Ursachen.


2. Entstehung ( Ätiologie ):
Nach Unfällen kann eine sog. posttraumatische Ellenbogensteife entstehen, und zwar durch Verformung der Ellenbogenknochen oder infolge traumatischer Kapsel- / Sehneneinrisse, aber auch nach ausgedehnten Blutergüssen, welche zu Verklebungen führen.
Verbrennungen können sehr ausgeprägte Vernarbungen und damit einhergehend deutliche Bewegungseinschränkungen, wie z.B. am Ellenbogengelenk hinterlassen.
Neurologische Erkrankungen, wie Zerebralparesen / Spastiken bei Kindern oder Zustände nach Schlaganfällen ziehen Gelenksteifen wie die Ellenbogensteife nach sich. Ein Verschleiß des Ellenbogens hinterlässt infolge Schmerzen, Schonhaltung und damit einhergehender Kapselschrumpfung eine Steife im Ellenbogengelenk.
Verkalkungen in den Weichteilen ( sog. periartikuläre Verkalkungen ) rund um den Ellenbogen, z.B. nach Verletzungen, schränken die Beweglichkeit dieses Gelenkes ein.
Verwachsungen ( Narbengewebe ) im Gelenk - die sog.
Arthrofibrose - kann eine weitere Ursachen für das Einsteifen eines Ellenbogens sein.

Meistens liegen kombinierte Ursachen vor.

3. Typen:
Hat die Ellenbogensteife ihre Ursache im Gelenk ( z.B. Narbenstränge im Ellenbogenhauptgelenk ), handelt es sich um eine intraartikuläre Ellenbogensteife.
Ist das Gewebe betroffen, welches das Ellenbogengelenk umgibt, handelt es sich um eine
extraartikuläre Ellenbogensteife.
Neben dieser Unterscheidung von Typen der Blockade innerhalb und außerhalb des Gelenkes, kann man zwischen
knöchernen ( z.B. Knochensporne ) und Weichteilblockierungen ( z.B. Narben ) unterscheiden.

4. Beschwerden / Symptome:
Das Gelenk kann unterschiedlich ausgeprägt schlecht beweglich sein. Das ist das häufigste Beschwerdebild bei dieser Erkrankung / Verletzungsfolge. Dabei kann die Beugung und Streckung aber auch die Umwendbewegung im Ellenbogen oder eine Kombination der verschiedenen Bewegungsrichtungen betroffen sein. Am häufigsten ist die Streckung eingeschränkt. Die Umwendbewegungen nach innen und außen ( sog. Pronation und Supination ) sind selten betroffen.

Manchmal sind
Schmerzen vorhanden, ggf. begleitet eine Knacken und Reiben die Ellenbogensteife ( z.B. bei der Arthrose des Ellenbogens ).


5. Diagnose:
Eine Ellenbogensteife ist meistens derart beeinträchtigend, dass der Betroffene direkt davon berichtet ( Anamnese ). Darüberhinaus ist die Ellenbogensteife durch eine ärztliche Untersuchung des Ellenbogens fast immer direkt feststellbar.

Das
Röntgen und die Computertomografie liefern Hinweise, ob blockierende knöchernen Ursachen ( z.B. Verschleißnasen, Knochensporne ) vorliegen.
Im
MRT kann man die Lage von evtl. vorhandenem Narbengewebe beurteilen.


6. Natürlicher Verlauf:
Unbehandelt verbleibt eine Ellenbogensteife meistens in der vorhandenen Form. Spontan Auflösen wird sie sich meistens nicht. In wenigen Fällen kann sie schlechter werden.


7. Behandlung / Therapie:
Man kann versuchen die Ellenbogensteife mittels Krankengymnastik / Physiotherapie anzugehen. Schmerzmittel und Entzündungshemmer sowie eine Kältetherapie können unterstützend eingesetzt werden. Vereinzelt wird auch eine sog. Narkosemobilisation eingesetzt, was bedeutet, dass man den eingesteiften Ellenbogen in Narkose und ohne Operation durchbewegt / aufdehnt und beweglich macht. Im Gegensatz zur Narkosemobilisation an der Schulter ist das aber am Ellenbogen nicht unproblematisch und kann auch von der Entwicklung von Verkalkungen um das Ellenbogengelenk - und damit einer weiter zunehmenden Bewegungseinschränkung - begleitet sein. Die meisten Behandler führen aus diesen Gründen keine Narkosemobilisation am Ellenbogen durch.


8. Wann Operation:
Wenn sie sich die Beweglichkeit des Gelenkes nach nichtoperativen Maßnahmen kaum bzw. nicht verbessern lässt, die Bewegung des Ellenbogens wesentlich eingeschränkt ist und der Patient darunter leidet, steht eine Operation zur Diskussion. Es kann aber nicht jede Ellenbogensteife operiert werden. Entscheidend für eine Operation ist der Wille des Betroffenen nach einer operativen Arthrolyse ( Beweglichmachen des Ellenbogens ) intensiv mitzuarbeiten.


9. Wie Operation:
Das Beweglichmachen des Gelenkes bezeichnet man in der Medizin als sog. Arthrolyse. Sie kann arthroskopisch durch´s Schlüsselloch vorgenommen werden oder über einen oder mehrere offene operative Schnitte.

Das hängt wesentlich von der zugrundeliegenden Ursache der Ellenbogensteife ab. In
leichten bis mittleren Fällen ( z.B. bei mäßigen Arthrosen des Ellenbogens ) kann man die eingesteifte Kapsel des Ellenbogens arthroskopisch spalten und Verklebungen sowie knöcherne Verschleißsporne und -nasen im Elllenbogengelenk endoskopisch abtragen.

Ausgeprägte Fälle einer Ellenbogensteife bedürfen einer offenen Arthrolyse. Dazu werden die Gelenkkapsel des eingesteiften Ellenbogens und die Verklebungen im Gelenk über einen bis drei offene Schnitte beweglich gemacht.
Liegt der Ellenbogensteife ein
neurologisches Problem zugrunde, z.B. eine Spastik und damit verkürzte Muskulatur bzw. Sehnen, kann es sinnvoll sein eine oder mehrere Sehnenverlängerungen durchzuführen.

Ausgeprägte
Vernarbungen um den Ellenbogen nach Verbrennungen können ggf. mit Hautplastiken versorgt werden bzw. manchmal ist es auch gar nicht möglich / sinnvoll bei solchen Ellenbogensteifen operativ tätig zu werden.
Letztendlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung.
Ist eine ausgedehnte Arthrolyse notwendig kann es ein, dass man auch Nerven, wie den Ulnarisnerven verlagern muss.

Sollten auch freie Gelenkkörper vorhanden sein, werden diese jeweils arthroskopisch oder offen ebenso mitentfernt.



10. Nachbehandlung einer Operation:
Vor der Operation wird meistens ein Schmerzkatheter gelegt, um in den Tagen nachher besser bewegen zu können.

Die Nachbehandlung ist sehr wichtig ! Eine intensive
Mitarbeit des Patienten nach einer operierten Ellenbogensteife ist äußerst wichtig.

Es muss eine intensive
physiotherapeutische Übungsbehandlung / Bewegungstherapie durchgeführt werden. Der Behandelte muss sein erlerntes Eigenprogramm konsequent durchziehen.

Regelmäßig wird das Ganze mit sog.
Quengelgipsen unterstützt. D.h. es werden Gipse in der maximal erreichbaren Beuge- und / oder Streckposition angefertigt und diese Gipse werden in den ersten Tagen / Wochen in Abständen von einer bzw. wenigen Stunden immer wieder gewechselt.

Auch der Einsatz von
Motorschienen ist in der Klinik oder auch später leihweise zuhause üblich.


11. Risiken:
Es bestehen die üblichen und allgemeinen Risiken einer Operation, und zwar der Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Gefäß- und / oder Nervenschaden.
Erneute Verklebungen und Rückfälle können trotz der Bemühungen aller Beteiligten in Einzelfällen auftreten.
Allgemein treten Komplikationen in einer Größenordnung von unter 5 Prozent auf.
In über 90% wird eine wesentliche Vervbesserung erzielt.



12. Fachbegriffe für eine Ellenbogensteife:
Versteifung Ellenbogen, Ellenbogengelenksteife


Lesetips:
Verschleiß im Ellenbogen
Eine Erkrankung, welche oft mit einer Ellenbogensteife einher geht ...

Knorpelglättung
Alles rund um die gelenkerhaltende Therapie ....

Ellenbogenprothese
Wichtiges zum Gelenkersatz, wenn nichts mehr geht ...


Wissenschaftliche Literatur:
1. Everding NG, et al, Prevention and treatment of elbow stiffness: a 5-year update, J Hand Surg Am, 38(12):2496-2507, 2013, doi: 10.1016/j.jhsa.2013.06.007.
2. Paul R, et al, Nonsurgical treatment of elbow stiffness, J hand Surg Am, 38(10):2002-2004, 2013, doi: 10.1016/j.jhsa.2013.06.009.
3. Pederzini LA, et al, Elbow arthroscopy in stiff elbow, Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc, 22(2):467-473, 2014, doi: 10.1007/s00167-013-2424-0.
4. Ulmar B, et al, Open arthrolysis of elbow stiffness, Unfallchirurg, 115(8):725-737, 2012, doi: 10.1007/s00113-012-2241-9.